Die sechs Technologiefragen -Ist Ihre Organisation gut aufgestellt?


„Eine neue Technologie kann einen Nutzen bringen, WENN UND NUR WENN die neue Technologie bestehende Begrenzungen / Einschränkungen auflösen kann.“ (Dr. Eliyahu M. Goldratt, Begründer der Theory of Constraints)


In jedem Unternehmen gibt es Neuerungen, die einen technischen, sozialen oder wirtschaftlichen Wandel einleiten. Wie stellen Sie sicher, dass diese Neuerungen innovativ sind und mit maximalem Wert oder Nutzen eingesetzt werden?

Mit den sechs Technologiefragen von Dr. Goldratt können Sie klären, ob Ihre neue Technologie in der Lage ist, bestehende Begrenzungen und Einschränkungen aufzulösen und dadurch den Nutzen deutlich zu erhöhen.


1. Was ist die Power Ihrer neuen Technologie?

Ziel dieser Frage ist, alle grundlegenden Informationen der Technologie aus Sicht des Entwicklers zu erörtern.

Nehmen wir an, Ihr Unternehmen möchte eine neue ERP-Software auf den Markt bringen. Üblicherweise würde man diese Software als ein neues Produkt bezeichnen und nicht als eine neue Technologie. Mit Sicherheit hat dieses Produkt aber wenigstens eine neue Funktion (Feature), sodass man diese Funktion als ’neue Technologie‘ bezeichnen kann.

Ihre neue Software ist in der Lage, soziale Medien zu überwachen und diese Daten in Echtzeit auszuwerten/analysieren und visuell darzustellen. (Eine Idee, die als Anwärter für den FinTech Award 2015 vorgestellt wurde.)


2. Welche heute bestehenden Ein-/Beschränkungen oder Hindernisse werden durch die neue Technologie beseitigt oder erheblich reduziert?

Die Beantwortung dieser Frage führt zu einer klaren Beschreibung eines tatsächlich bestehenden Bedürfnisses. Denken Sie dabei an Ihre gesamte Wertschöpfungskette und beschreiben Sie, wie die Technologie die Hindernisse beseitigt/reduziert.

Betrachten wir hierzu ein Beispiel: China und andere asiatische Länder produzieren eine Vielzahl an Produkten für die ganze Welt, viele europäischen Hersteller lassen ihre Ware dort (aus Kostengründen) produzieren. Wir können daraus schließen, dass Bedarf besteht, eingeschränkte Verfügbarkeit zu beseitigen, lange Durchlaufzeiten zu verkürzen und Kosten erheblich zu reduzieren.

Die Innovation des 3-D-Druckers bietet neue Möglichkeiten kostengünstige Produkte auf Abruf zu produzieren, wann und wo sie gebraucht werden. Funktionsfähige Prothesen wurden auf diese Weise kostengünstig hergestellt, sowie Teile von Kampflugzeugen – um nur zwei Beispiele zu nennen. Schon jetzt werden viele Hindernisse durch die Technologie von 3-D Druckern beseitigt, einige Wissenschaftler sprechen sogar von einer dritten industriellen Revolution.


3. Welche Verhaltensmuster, Gewohnheiten und Strategien werden heute angewandt, um die Begrenzung zu umgehen?

Bei dieser Fragestellung gilt es zu bedenken, dass Einschränkungen als solche nicht erkannt werden, solange es die Technologie noch nicht gegeben hat.

Im Dezember 2014 kündigte Microsoft seinen Skype Translator an, mit welchem Skype Video-Gespräche in Echtzeit übersetzt werden. Was einst noch Science- Fiction war ist heute Wirklichkeit.

Wie gehen wir in der Geschäftswelt mit der Begrenzung von Sprachbarrieren um?

  • Wir erwarten Fremdsprachenkenntnisse von unseren Mitarbeitenden

  • Übersetzer und Dolmetscher kommen zum Einsatz

  • Vermeidungsstrategien werden angewandt (lieber schreiben als sprechen, hoher Zeitaufwand beim Prüfen auf Richtigkeit)

  • Qualität wird zur Nebensache und es kommen automatisch generierte Übersetzungen zum Einsatz.

Ob die Innovation von Microsoft fehlerfreie Grammatik/Satzstruktur sicherstellen kann bleibt offen, wir erkennen jedoch, dass wir durch das Hinterfragen von Verhaltensmustern zu Erkenntnissen über das Potenzial einer neuen Technologie gelangen können.


4. Welche Strategien, Normen und Verhaltensmuster müssen verändert werden, um die Vorteile der neuen Technologie zu nutzen?

Beim Microsoft Skype Translator Beispiel wären die zu verändernden Verhaltensmuster z.B. die Gewohnheit, mit einem Festnetzanschluss oder Mobiltelefon zu telefonieren und zukünftig mit einem Headset/Computer.

Identifizieren Sie bei dieser Frage die möglichen negativen Effekte. Dadurch sind Sie in der Lage, diese durch Anpassungen zu beseitigen. Denken Sie dabei zum Beispiel an den E-Book-Reader, den es eigentlich schon in den späten neunziger Jahren gab. Jedoch wurde er kommerziell nicht erfolgreich eingeführt – es gab mehrere verschiedene Einführungs-versuche. Den Durchbruch erzielte das Produkt aber erst in 2007. Die Gesellschaft war erst dann so weit, ihre Normen und Verhaltensmuster in dieser Hinsicht zu ändern.


5. Welche Veränderungen/Ergänzungen sollten bei der Technologie aufgrund der obigen Analyse eingeführt werden?

Nachdem wir die möglichen Widerstände und negativen Effekte untersucht haben, identifizieren wir nun Möglichkeiten, diese aufzulösen. Skype hat in unserem Beispiel schon Vorarbeit geleistet, bevor sie von Microsoft übernommen wurden. Das Angebot wurde um Handset-Telefone erweitert und es besteht kein Zweifel, dass durch diese komfortable Variante deutlich mehr Kunden gewonnen wurden.

Manchmal braucht man nur kleine Anpassungen der Technologie bzw. des Umfelds, damit Anwender bereit sind, ihre Verhaltensmuster zu ändern.


6. Wie kann die Technologie/Neuerung nachhaltig eingeführt werden?

Ihre Antworten auf die Fragen 1-5 sollten hier zur allumfassenden Antwort führen. Eine Neuerung einzuführen, ist nie eine leichte Aufgabe. Denn Menschen neigen dazu, neue Ideen in Frage zu stellen – und das ist gut so. Es bewahrt uns davor, sofort alle neuen Ideen anzunehmen. Widerstand gegenüber Veränderung ist ein hervorragender Abwehr-

mechanismus, um positive wie negative Konsequenzen abzuwägen. Die Schwierigkeit liegt darin, eine solche Evaluierung offiziell zu machen und nicht einfach die Veränderung zu verwerfen oder zu akzeptieren.


Stellen Sie sich vor der nächsten Einführung einer Neuerung die sechs Technologiefragen und erzielen Sie maximalen Nutzen, indem sie viel klarer sehen, wie Sie bestehende Begrenzungen und Einschränkungen erkennen und auflösen können.

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