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Acht unbequeme Wahrheiten im B2B Vertrieb

  • Autorenbild: Claudia Simon
    Claudia Simon
  • 12. März
  • 3 Min. Lesezeit

In wirtschaftlich angespannten Zeiten reagieren viele B2B-Unternehmen reflexartig:

Der Vertrieb soll es richten. Mehr Aktivität, mehr Druck, mehr Training.


Das Webinar „Acht unbequeme Wahrheiten im professionellen B2B-Vertrieb“ stellte diese Logik grundlegend infrage.

Nicht, weil Vertrieb unwichtig wäre – sondern weil viele Probleme systemischer Natur sind.


Viele der im Webinar vorgestellten Gedanken basieren auf Arbeiten und Vorträgen von Justin Roff-Marsh, der diese systemische Sicht auf B2B-Vertrieb und Organisationsdesign seit Jahren in internationalen Keynotes und Praxisbeispielen entwickelt und vertritt.


Zwei Beobachtungen aus der B2B-Praxis

  1. Der Großteil des Umsatzes stammt aus Wiederkäufen

In typischen B2B-Organisationen kommen 70–90 % des Umsatzes aus bestehenden Kunden.

Neukunden sind wichtig – aber nicht der dominante Umsatztreiber pro Berichtsperiode.


  1. Kunden wechseln aus operativen Gründen

Die drei häufigsten Gründe für Kundenabwanderung im B2B:


  • mangelnde Liefertreue

  • Preis

  • Produkt bzw. Leistungsfähigkeit


Auffällig ist: Der Verkäufer ist selten der Grund für die Abwanderung.


Diese beiden Beobachtungen führen direkt zu den acht unbequemen Wahrheiten.


Wahrheit 1: Operations ist für den Umsatz verantwortlich – nicht der Vertrieb

Umsatz entsteht überwiegend durch Wiederkäufe.

Wiederkäufe hängen von operativer Leistung ab: Lieferzuverlässigkeit, Preisstabilität, Produktqualität.


Konsequenz:

Kundenbeziehungen sind Annuitäten – laufende Zahlungsströme.

Wer diese steuert, trägt die Umsatzverantwortung.


  • Operations verantwortet Umsatz und Kundenbindung.

  • Vertrieb verantwortet Wachstum (neue Kunden, neue Anwendungen, neue Programme).


Wahrheit 2: Kunden wählen Geschwindigkeit – nicht Nähe

Viele Vertriebsorganisationen sind historisch auf Kundennähe optimiert.

Die Realität: Kunden bevorzugen schnelle, zuverlässige Erfüllung.


Nähe garantiert keine Verfügbarkeit.

Dezentralität erhöht oft Komplexität und verlängert Durchlaufzeiten.


Geschwindigkeit ist kein Vertriebsargument – sie ist ein Systemeffekt.


Wahrheit 3: Ihre Partnerschaften sind kaputt (oder zumindest unscharf)

In vielen B2B-Wertschöpfungsketten ist unklar:


  • Wer erzeugt welchen Wert?

  • Wer verkauft was – und warum?


Hersteller und Reseller verkaufen oft parallel, betreuen dieselben Kunden und bieten ähnliche Services an.

Das Ergebnis: Reibung, Doppelarbeit, Ineffizienz.


Partnerschaften brauchen klare Demarkationslinien.

Trägheit ist kein Geschäftsmodell.


Wahrheit 4: Sales sind keine Ingenieure – und umgekehrt

Engineering ist nicht homogen.

  • Design Engineering: hohe Kadenz, geringe Auflösung, vertriebsnah

  • Production Engineering: niedrige Kadenz, hohe Auflösung, produktionsnah


Wer beides vermischt, bekommt:

lange Durchlaufzeiten, Überengineering und Frustration.


Organisatorische Klarheit schlägt Mehrarbeit.


Wahrheit 5: Vertrieb sollte Programme verkaufen – keine Produkte

In vielen Märkten sind Produkte austauschbar. Programme sind es nicht.


Programme reduzieren:

  • Risiko

  • Komplexität

  • operativen Aufwand beim Kunden


Beispiele: Verfügbarkeitsmodelle, Serviceprogramme, Vendor Managed Inventory.


Wer Programme verkauft, konkurriert über Systemleistung – nicht über Preis.


Wahrheit 6: Vertrieb gehört nach innen – Anwendungstechnik nach außen

Wert entsteht nicht durch Verkäuferpräsenz, sondern durch Problemlösung.


  • Inside Sales: Fokus, Geschwindigkeit, Kampagnenfähigkeit

  • Application Engineers: Kompetenz beim Kunden, wo Wert entsteht


Klare Rollen erhöhen Wirksamkeit – und reduzieren Reibung.


Wahrheit 7: Vertrieb muss kampagnenbasiert arbeiten

Account-Management fragmentiert Aufmerksamkeit.

Kampagnen bündeln sie.


Kampagnen:

  • sind skalierbar

  • fokussieren Management-Aufmerksamkeit

  • erzeugen Schlagkraft


Kampagnen strukturieren Kundenarbeit – sie ersetzen sie nicht.


Wahrheit 8: Provisionen zerstören Systemleistung

Provisionen optimieren lokal und schaden global.


Typische Effekte:

  • kurzfristige Abschlüsse

  • falsche Kunden

  • Konflikte mit Operations


Anreize müssen zu Verantwortlichkeiten passen.

Fixgehälter mit klaren Leistungserwartungen sind kein Rückschritt, sondern systemisch konsistent.


Fazit: Struktur schlägt Talent


Alle acht Wahrheiten zeigen dasselbe Muster:

  • falsche Verantwortlichkeiten

  • falsche Kennzahlen

  • falsche Anreize


Solange systemische Probleme mit individueller Leistung kompensiert werden sollen, bleiben Ergebnisse zufällig.


Oder anders gesagt:

Die meisten Vertriebsprobleme sind keine Vertriebsprobleme.


Einladung zur Diskussion

Welche dieser Wahrheiten ist für Ihr Unternehmen am unbequemsten? Und wo optimieren Sie heute lokal – auf Kosten des Gesamtsystems?


Und wenn Sie Lust haben, sich das Webinar anzuschauen - dann finden Sie dieses hier.

1 Kommentar


hasas74496
vor 5 Tagen

so cool post, thanks for your work!

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