Persönlich die Krise meistern

Aktualisiert: Sept 1

Ein Gastbeitrag von Kerstin Zulechner, Diplom-Psychologin und VISTEM-Implementierungsmanager


Die Corona-Lockerungen machen Hoffnung, die unruhigen Zeiten – insbesondere für die Wirtschaft – sind aber längst noch nicht überstanden. Und so kann die Situation für viele Selbständige, Führungskräfte und Mitarbeiter schnell zu einer persönlichen Krise werden.

Gerade in stürmischen Zeiten ist es wichtig, gut für sich zu sorgen und sich mit seinen Ressourcen zu verankern. Dies ist die Basis für die persönliche Widerstandsfähigkeit, die es ermöglicht, Leadership zu übernehmen – für sich und für andere.


Die Merkmale einer Krise


Eine „Krise” ist eine schwierige Lage oder Situation, eine Zeit der Gefährdung, die aber auch immer einen Wendepunkt enthält, eine Chance, etwas zu verändern und anders zu machen oder zu bewerten als bisher.


Zunächst aber kann z.B. die aktuelle Corona-Krise, insbesondere mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen, bei vielen Menschen Stress auslösen. Stress wird dann ausgelöst, wenn wir etwas als herausfordernd oder bedrohlich einschätzen und gleichzeitig im Moment persönlich wenig Möglichkeiten sehen, die Situation positiv zu verändern oder zu bewältigen.


Wenn unser Körper mit Stress reagiert, werden negative Emotionen wie Angst und Panik aktiv. Gleichzeitig passiert auch physiologisch einiges in unserem Körper wie flache Atmung, Ausschüttung von Adrenalin, beschleunigter Puls und so weiter. Mit dieser Stressreaktion bereitet sich der Körper auf archaische Reaktionen bei Gefahr vor: „Flucht“ oder „Angriff“. Das nützt uns in heutigen Krisensituationen leider eher wenig, da die Konzentration auf „Action“ und die einhergehende eingeschränkte Wahrnehmung komplexes Denken, Gelassenheit und Kreativität verhindern. Das wären aber genau die geistigen Fähigkeiten, die wir brauchen, um eine Lösung, einen Weg aus der Krise zu finden.


Die Anpassung an Veränderungen durchläuft in der Regel unterschiedliche Phasen. Es ist hilfreich mit sich selbst daran zu arbeiten, die derzeitige Realität emotional zu akzeptieren, statt im inneren Widerstand dagegen zu verharren. Das voll und ganz „Loslassen“ des alten Zustands ist ein wichtiger Schritt und schafft Platz, sich neuen Ideen und Möglichkeiten zu öffnen.

Wenn neue Früchte wachsen sollen, müssen wir erst den Boden aufbereiten und säen. Übertragen heißt das, wenn wir kreativ sein, Möglichkeiten sehen, Ideen entwickeln und ins positive Handeln kommen wollen, dann gilt es zuerst, die eigenen Emotionen zu regulieren und in einen entspannten, positiven Zustand zu kommen.


3 Faktoren, die über den emotionalen Zustand entscheiden


Wie gelingt es, sich in einen positiven emotionalen Zustand zu versetzen, trotz „Krise“ im Außen? Letztendlich gibt es drei Entscheidungen, die jeder lernen kann, bewusst zu treffen, um seine Lebensqualität zu beeinflussen:

  1. Wahrnehmung: Worauf richte ich meine Aufmerksamkeit?

  2. Bedeutung: Wie bewerte ich meine Wahrnehmung?

  3. Physiologie: In welchem körperlichen Zustand bin ich?

Wahrnehmung lenken


Mit Fragen können wir unsere Aufmerksamkeit bewusst auf die positiven Aspekte unseres Lebens lenken, zum Beispiel:

  1. Was genieße ich in meinem Leben?

  2. Worauf bin ich stolz?

  3. Wofür bin ich dankbar?

  4. Was ist gut an dem Problem / an der derzeitigen Situation?

  5. Was wünsche ich mir?

  6. Was bin ich bereit, für diesen Wunsch zu tun?

Bewertungen überdenken und verändern


Für einen gefestigten, positiven emotionalen Zustand ist es entscheidend, wie wir bewerten, was wir wahrnehmen. Ein erster wichtiger Schritt ist, die eigenen (negativen?) Bewertungen und Gedanken bewusst wahrzunehmen.

  1. Sehen wir regelmässig das Glas halb leer statt halb voll?

  2. Bewerten wir unsere persönliche Situation in der Krise als „aussichtslos“ oder gelingt es, die Krise als zum Beispiel Teil der 4 Jahreszeiten zu sehen – nach dem Winter kommt wieder Frühling, Sommer, Herbst…

Üben Sie „Gedanken fangen“ und reflektieren Sie: Ist meine Einstellung zu der Situation gerade hilfreich? Wenn Ihre Antwort „Nein“ lautet: Wählen Sie eine andere, hilfreichere Einstellung!


Den Körper wahrnehmen


Kleine Änderungen der Physiologie unseres Körpers können bereits positive Auswirkungen auf unsere emotionale Stimmung haben. Besonders entscheidend sind drei einfache Stellgrößen:

  1. Haltung: Wenn Sie bewusst aufrecht gehen oder sitzen stellt sich in der Regel ein Gefühl der Kraft und des Wohlbefindens ein. Andererseits ist es nahezu unmöglich, Freude zu empfinden, wenn man zusammengesunken auf einem Stuhl sitzt

  2. Atmung: Eine tiefe Bauchatmung entspannt und lässt Stressreaktionen abklingen. Wir bekommen wieder einen klaren Kopf.

  3. Bewegung: Welche Art der Bewegung tut mir gut? Yoga? Joggen? Spazieren gehen? Workout?…

Handlungsstrategien für ungewisse Situationen


Wenn wir für uns selbst gut gesorgt haben bleibt insbesondere für Führungskräfte und Selbständige die Frage: Was können wir jetzt tun? Was ist die richtige Handlungsstrategie in dieser Situation?

Im Moment haben wir nicht wirklich eine planbare, voraussehbare Situation was die weitere Entwicklung betrifft. Es gibt eher vieldeutige Informationen, dynamische Veränderungen und wir schauen in eine ungewisse (wirtschaftliche) Zukunft. In diesem komplexen Setting wirkt das klassische „Managen“ in Form von klaren Zielen bestimmen, genauen Umsetzungsplan machen, Risiken kontrollieren wenig.

Orientierung bieten das Effectuation-Modell und agile Ansätze, die ein schrittweises Vorgehen empfehlen, das sich nicht darauf konzentriert, welche tollen Ergebnisse mit einer (fernen) Zukunft erreicht werden können, sondern sich auf das Hier und Jetzt und auf die zur Verfügung stehenden Ressourcen fokussieren um Neues zu kreieren:

  1. Was kann ich heute mit den gegebenen Mitteln erreichen?

  2. Was kann ich „aufs Spiel“ setzen? (z.B. Zeit, Budget, Räume zur Verfügung stellen…)

  3. Wen kenne ich? Mit wem kann ich sprechen und etwas ausprobieren und voranbringen?

  4. Wie bewerte ich die Ergebnisse? Ergeben sich daraus weitere Ressourcen und Möglichkeiten?

  5. Welche Zufälle und Gelegenheiten ergeben sich und kann ich nutzen?

Wie Sie in der Krise Ihre Handlungsfähigkeit erhalten oder schnell wiedererlangen, um mit klarem Blick nach vorne die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, dazu haben mein Kollege Martin Ebner und ich im April ein Webinar veranstaltet. Verpasst?


Die Aufzeichnung ist hier kostenlos verfügbar.


Inhalte

  1. Die Merkmale einer “Krise” und deren Auswirkungen auf persönliches Fühlen, Denken und Handeln verstehen

  2. Die 3 Faktoren, die über Ihren emotionalen Zustand entscheiden und die Sie in jedem Moment selbst verändern/ beeinflussen können

  3. Der Weg von der Krise zur Gestaltung: Denk- und Handlungsstrategien, die Sie persönlich und als Führungskraft jetzt brauchen

Sie werden die praktischen Modelle und Tools unmittelbar nach dem Webinar für Ihr privates und berufliches Wohlergehen und Ihren Erfolg nutzen können.

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