Projekte werden nicht rechtzeitig fertig, halten ihre Budgets nicht ein oder liefern nicht die gewünschten Ergebnisse. Dieses Problem wird nicht mehr nur unter vorgehaltener Hand diskutiert. Suboptimale Performance von Projekten ist nicht nur ärgerlich, belastet den Arbeitsalltag von Mitarbeitern, stresst Führungskräfte und verärgert Kunden, sondern gefährdet auch in erheblichem Maß die Wirtschaftlichkeit und Lebensfähigkeit von Unternehmen:
Zu spät erreichte Meilensteine, zu spät gelieferte Projekte führen zu später eingehenden Zahlungen. Terminüberschreitungen bewirken Vertragsstrafen. Liquidität und Wirtschaftlichkeit sind gefährdet; nicht wenige Unternehmen sind daran bereits zugrunde gegangen.
Letztes Jahr hat mir der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens vorgerechnet: Wenn er es nicht schafft, in 2008 zuverlässig zu liefern und die Projektleistung um mindestens 30 % zu steigern, würde er in 2008 bereits verkaufte (!) Projekte für 30 Mio € nicht liefern können, dadurch 10 Mio € Deckungsbeitrag verlieren und müsste außerdem 5 Mio € Vertragsstrafen zahlen. Zusammen hätte das eine Gewinnschmälerung von 15 Mio € in 2008 bewirkt; ein gewaltiger Betrag für ein Unternehmen, dass jährlich 150 Mio € umsetzt. Das Unternehmen würde heute sicher noch leben, hätte jedoch seinen guten Ruf verloren; und ob der Geschäftsführer noch auf seinem Posten wäre, ist zumindest zweifelhaft.
Wie stark Unzuverlässigkeit im Projektmanagement ausgeprägt ist, können Sie in Ihrem eigenen Unternehmen untersuchen: Erstellen Sie eine Tabelle der Projekte, die letztes und dieses Jahr abgeschlossen wurden. Erfassen Sie in dieser Tabelle außerdem
den ursprünglich (vor/bei Projektbeginn) versprochenen Liefertermin,
den tatsächlich realisierten Liefertermin,
das ursprünglich (vor/bei Projektbeginn) abgestimmte Budget,
die tatsächlich verbrauchten Kosten sowie
die Antwort auf die Frage, ob der ursprünglich vereinbarte Content vollständig geliefert wurde.
Abschließend werten Sie bitte aus, bei wie viel Prozent der Projekte sowohl der Termin als auch auch das Budget als auch die Spezifikationen vollständig eingehalten wurden.
In fast allen Unternehmen, in denen VISTEM-Berater in den letzten fünf Jahren diese Übersicht erstellt haben, ist das Ergebnis gleich: 0 % (in Worten: null Prozent) der Projekte sind „in time“ UND „in budget“ UND liefern den kompletten versprochenen Content. (Zugegeben: Wir kommen in erster Linie dann mit Unternehmen ins Gespräch, wenn diese nicht gerade sehr zufrieden mit der Performance ihre Projekte sind.)
Techt, Uwe / Schumacher, Jens-Olaf (2011): Pragmatisches Ressourcen-Management in einer Multiprojektumgebung Teil 2: Projektportfolio und Ressourcenkapazität managen
Techt, Uwe / Schumacher, Jens-Olaf (2011): Pragmatisches Ressourcenmanagement in einer Multiprojektumgebung Teil 1: Einfache Prinzipien für mehr Effizienz
Techt, Uwe / Burkhard, Rudolf G. (2011): Wettbewerbsvorteile im Projektgeschäft